Von A wie Anwältin bis Z wie Zukunftsentwickler – Rollen bereichern das Verständnis der Aufgabe
14.05.2024 |
Feldversuche zum rollenbasierten Handeln in der künftigen Pastoral
Die K2030-Arbeitsgruppe „Rollen und Stellenprofile der pastoralen Mitarbeitenden“ befasst sich mit dem künftigen Einsatz der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die bisherige Orientierung an beruflichen Funktionen oder Berufsgruppen wurde hinterfragt; dagegen war die Frage handlungsleitend, welche Rollen in der Pastoral künftig gebraucht werden.
Erarbeitung im partizipativen Prozess
Um pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv an der Rollenentwicklung zu beteiligen, wurden im Zeitraum November 2022 bis Juni 2023 flächendeckend zwölf Regionalkonferenzen mit dem Titel „Von der Rolle“ durchgeführt. Auf Basis der strategischen Ziele der Erzdiözese wurde eine Fülle von Rollen entwickelt, die in der Folge in 22 Rollen gebündelt wurden. Dieses Zwischenergebnis wurde nach der Bestätigung durch Erzbischof Stephan im September 2023 veröffentlicht. Auf dieser Grundlage hat die Arbeitsgruppe in einem Rollenportfolio jede Rolle anhand eines einheitlichen Rasters näher beschrieben, indem sie Ziel, Kernaufgabe, Rahmenbedingungen, Merkmale und Haltungen der Rolle skizziert sowie für die Rolle notwendigen Kompetenzen und Qualifikationen definiert hat.
In einem weiteren Schritt hat die Arbeitsgruppe einen Vorschlag für einen Rollenaushandlungsprozess erarbeitet, um in den Seelsorgeteams die Rollen und Aufgaben zu klären. Dieser Aushandlungsprozess wird für die sich neu konstituierenden Teams eine besondere Herausforderung darstellen; das Aushandeln von Rollen und Aufgaben wird aber auch später aufgrund der Weiterentwicklung von Zielen und pastoralen Schwerpunkten ein kontinuierlicher und elementarer Prozess in den Seelsorgeteams sein.
Erprobung in Feldversuchen
Zur Erprobung des Aushandlungsprozesses in der Praxis wurden am 20. März 2024 in Rastatt und am 17. April 2024 in Tauberbischofsheim Feldversuche durchgeführt. Für die Auswahl der Standorte war unter anderem ausschlaggebend, dass die pastorale Situation sowie Teamkonstellation unterschiedlich sind und der designierte Pfarrer bereits vor Ort im Einsatz ist. Begleitet wurden beide Teams von Beraterinnen und Beratern der DiAG Kirchenentwicklung, die im Vorfeld in das Rollenkonzept eingeführt und auf das Setting der Feldversuche vorbereitet wurden. Im Fokus stand jeweils der Aushandlungsprozess im Team sowie die entstehende Dynamik, nicht das spätere Arbeiten auf Basis der probeweise ausgehandelten Rollen.
Ein Aspekt der Feldversuche war die Bewertung der Chancen und Grenzen, die der Wechsel vom aufgabenorientieren zum rollenbasierten Handeln mit sich bringt. Auch ging es darum, Erkenntnisse zu gewinnen für die Weiterentwicklung des Rollenkonzepts und für die Vorbereitung der Leitungs- und Begleitungsteams sowie der Seelsorgeteams. Dafür wurden die Teilnehmenden beider Feldversuche im Anschluss mittels Online-Fragebogen interviewt und die Leitungs- sowie Begleitungsteams in Videokonferenzen um Rückmeldung gebeten.
Die Auswertung zeigt, dass die Teilnehmenden erfahren haben, wie Rollen und Aufgaben miteinander in Verbindung gebracht werden. Auch konnte sich der überwiegende Teil mit dem Rollenportfolio identifizieren und fand die Gliederung des Prozessablaufs klar und logisch. Das Innovationspotential des Rollenansatzes indes wurde unterschiedlich bewertet. Gemäß Leitungs- und Begleitungsteams lässt sich zusammenfassen, dass die Identifikation mit Rollen einen motivierenden Einfluss auf den Teamentwicklungsprozess hat. Dekan Holler aus Tauberbischofsheim etwa zeigte sich überzeugt, dass durch das Überdenken von Rollen auch „eine höhere Qualität in der Seelsorge möglich“ sei. Gleichwohl zeigen die Ergebnisse, dass die Auseinandersetzung mit Rollen ausreichend Zeit benötigt und rechtzeitig in verschiedenen Vorbereitungsprozessen zu berücksichtigen ist, was in den eintägigen Feldversuchen freilich nicht gegeben war. Der Prozessablauf selbst stellt für die Organisation der Teams noch eine Herausforderung dar.
Weiterarbeit in Arbeitsgruppe
Für die K2030-Arbeitsgruppe „Rollen/Stellenprofile“ sind die gewonnenen Erkenntnisse ein wichtiger Zwischenstand für ihre Weiterarbeit bis September 2024. Bis dahin werden die Verantwortlichen den Prozessablauf zur Rollenaushandlung weiterentwickeln und ein Konzept inklusive Zeitplan für die Implementierung des Rollenmodells erstellen. Darüber hinaus befasst sich die Arbeitsgruppe mit der Frage, wie die künftigen rollenbasierten Stellenumschreibungen abbildbar sind und wie berufsgruppenübergreifende rollenbasierte Stellenausschreibungen gestaltet sein können.
Bereits im bisherigen Arbeitsprozess hat die Arbeitsgruppe darauf hingewirkt, dass das Konzept des rollenbasierten Arbeitens in den Qualifizierungsmaßnahmen für Leitende Pfarrer und Leitende Referentinnen/Referenten wie auch für pastorale Mitarbeitende sowie in der Ausbildung künftiger pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend Berücksichtigung findet. Mit Fertigstellung des Arbeitspakets im Herbst 2024 werden die finalen Ergebnisse veröffentlicht werden.
Vorab werden für pastorale Mitarbeitende digitale Treffen angeboten, bei denen das Rollenkonzept erläutert wird und skizziert wird, wie die Umsetzung in der Praxis aussehen kann. Diese Videokonferenzen werden am 2. Juli von 14.30 bis 16.30 Uhr sowie am 10. Juli von 10.00 bis 12.00 Uhr stattfinden. Details zum Ablauf sowie die Möglichkeit zur Anmeldung folgen Anfang Juni.