St. Trudpert/Münstertal. Mit einem Patrozinium hat Erzbischof Stephan Burger am Sonntag das 60-jährige Bestehen der Klosterkirche St. Trudpert im Münstertal gefeiert. In seiner Predigt machte er deutlich, welche Bedeutung der Festtag „Christkönig“ haben kann in einer Welt, die aus den Fugen zu sein scheint, und welchen Unterschied es ausmacht, ob Christus oder andere Kräfte die Königsherrschaft über ein Leben haben.
Weltliche Könige verbinde man oft mit grausamen Despoten oder mit romantisch-verkitschten Vorstellungen vom gütigen Landesherren voller Glück und Sorglosigkeit. Wenn Christus aber König sei, dürfe sich der Mensch „neu bewusst werden, dass er seine Würde von Gott her empfängt, unverdient, ohne Vorleistung und nicht von einem Herrenmenschen, der sich alles unterwirft“, sagte der Erzbischof.
Christkönig – ein klarer Kontrapunkt zum Führerkult
Der Christkönigssonntag wurde 1925 zur 1600-Jahrfeier des Konzils von Nicäa eingeführt, auch als „politische Ansage“ zu einer Zeit, in der es nach den Erschütterungen des Ersten Weltkriegs eine „Suche nach Ordnung und Führung“ gab. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus habe die Christkönigsverehrung Orientierung gegeben: Sie sei eine „klarer Kontrapunkt zum Führerkult einer säkularen Gesellschaft“ gewesen.
Der Erzbischof hob hervor, dass sich im Bewusstsein vieler Gläubigen ein Verständnis des Königtums Christi entwickelt habe, „das über die Herrschaft weltlicher Herrscher hinausweist“ und „den Anspruch eines tausendjährigen Reiches grundlegend infrage stellte“. In diesem Zusammenhang erinnerte er an den vor einem Jahr in Freiburg seliggesprochenen Max Josef Metzger, der sein Leben 1944 „für die Einheit in der Kirche und den Frieden in der Welt“ hingegeben habe, das unter dem Leitwort „Christus muss König sein!“ stand. Und er erinnerte an den von den Nationalsozialisten 1945 ermordeten Münstertäler Dekan Willibald Strohmeyer, der „Zeugnis von der Königsherrschaft Christi“ gegeben habe.
Was alles aus den Fugen ist
Auch heute scheine die Welt aus den Fugen geraten, die „Wertfundamente unserer Gesellschaft“ seien dabei, sich zu verschieben. Der Erzbischof machte dies an mehreren Beispielen fest: Am Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das den assistierten Suizid rechtfertigt und die Autonomie des Menschen absolut setze. An der Diskussion über den Paragraphen 218 und der damit aufgeworfenen Frage eines „gestuften Lebensschutzes des ungeborenen Kindes“. An den „politischen Erschütterungen in unserer Parteienlandschaft“: „Wenn der Rechtspopulismus an Zulauf gewinnt; wenn eine völkisch-nationale Ideologie fröhliche Urständ feiert, die uns schon einmal ins Unglück gestürzt hat; wenn wieder darangegangen wird, Menschen zu bewerten und zu klassifizieren; wenn Ethnie und Hautfarbe in den Köpfen mancher verstärkt darüber entscheiden, wer gut oder böse ist.“ All das zeige, schloss der Erzbischof, dass „nach unserem christlichen Verständnis etwas aus dem Ruder läuft“.
Selbstkritisch ging Erzbischof Burger auch mit der Kirche ins Gericht: „Wir haben in unserer Gesellschaft Vertrauen und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Wir haben uns mit unseren Skandalen in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Als Kirche haben wir nicht genügend darauf geachtet, Christus, unserem König, den Platz einzuräumen, der ihm eigentlich gebührt.“
Doch statt über die Zeitumstände zu klagen, gelte es jetzt, mit einem Leben aus dem Glauben deutlich zu machen, „zu wem wir gehören“, nämlich zu Jesus Christus. „Wenn wir unser Lebensziel erreichen wollen, so muss Christus König sein.“ Dafür stehe das Christkönigsfest.
(asc)